Mehr Netto ab 2026: Welche Steueränderungen Familien und Pendler entlasten
Höherer Grundfreibetrag, einheitliche Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer, mehr Kindergeld und höhere Freibeträge für Ehrenamtliche: Im Steuerjahr 2026 greift eine Reihe von Entlastungen, die viele Deutsche im Geldbeutel spüren werden. Der folgende Überblick fasst die wichtigsten Punkte sachlich zusammen.
Zum Jahresbeginn 2026 sind in Deutschland mehrere steuerliche Anpassungen in Kraft getreten, die zusammengenommen für viele Haushalte spürbare Veränderungen mit sich bringen. Der Grundfreibetrag steigt, der Tarifverlauf wird erneut an die Inflation angepasst, das Kindergeld erhöht sich, und die Pendlerpauschale gilt jetzt einheitlich ab dem ersten Kilometer. Hinzu kommen höhere Freibeträge für Ehrenamtliche und eine angehobene Preisgrenze für elektrische Firmenwagen.
Nach Aussage von Ronald Maul, Präsident der Steuerberaterkammer des Saarlandes, bringt das Steuerjahr 2026 "eine Reihe von klar verbraucherorientierten Verbesserungen". Tech Note Time ordnet die wichtigsten Punkte im Folgenden ein und verlinkt am Ende auf die zugrundeliegenden offiziellen Quellen.
Höherer Grundfreibetrag und angepasster Steuertarif
Der steuerliche Grundfreibetrag steigt zum 1. Januar 2026 auf 12.348 Euro jährlich. Im Jahr 2025 lag er bei 12.096 Euro. Damit bleibt mehr Einkommen vollständig steuerfrei, weil der Grundfreibetrag das steuerliche Existenzminimum absichert. Für gemeinsam veranlagte Ehepaare verdoppelt sich der Wert entsprechend auf 24.696 Euro.
Parallel werden die Eckwerte des Einkommensteuertarifs nach rechts verschoben. Diese sogenannte Tarifanpassung soll verhindern, dass inflationsbedingte Lohnerhöhungen automatisch zu einer höheren Steuerbelastung führen ("kalte Progression"). Der Spitzensteuersatz greift dadurch ab einem leicht höheren zu versteuernden Einkommen als im Vorjahr.
Mehr Kindergeld und höherer Kinderfreibetrag
Familien mit Kindern profitieren ebenfalls. Das Kindergeld steigt auf 259 Euro pro Monat und Kind und wird damit unmittelbar auf dem Konto sichtbar. Wer kein Kindergeld bezieht, sondern den Kinderfreibetrag nutzt, erhält 2026 insgesamt 6.828 Euro pro Kind, also 3.414 Euro je Elternteil.
Das Finanzamt prüft im Rahmen der Steuererklärung automatisch über die sogenannte Günstigerprüfung, ob im Einzelfall das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag günstiger ist, und berücksichtigt die für die Familie vorteilhaftere Variante.
Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer
Eine der weitreichendsten Änderungen betrifft die Entfernungspauschale. Bis Ende 2025 galten zwei Stufen: 30 Cent für die ersten 20 Kilometer der einfachen Wegstrecke und 38 Cent ab dem 21. Kilometer. Seit dem 1. Januar 2026 gilt ein einheitlicher Satz von 0,38 Euro pro Entfernungskilometer ab dem ersten Kilometer.
Davon profitieren insbesondere Beschäftigte mit kurzen und mittleren Arbeitswegen, die bisher kaum etwas absetzen konnten. Die Regelung gilt verkehrsmittelunabhängig, also für Auto, Bahn, Bus und Fahrrad gleichermaßen. Wer pendelt, sollte die Wegstrecke und die Arbeitstage im Jahr sauber dokumentieren, um den Werbungskostenabzug in der Steuererklärung vollständig nutzen zu können.
| Entfernung (einfacher Weg) | Bis 2025 | Ab 2026 |
|---|---|---|
| 1. bis 20. Kilometer | 0,30 €/km | 0,38 €/km |
| Ab 21. Kilometer | 0,38 €/km | 0,38 €/km |
Ehrenamt und Übungsleitertätigkeit: höhere Freibeträge
Wer in Vereinen, sozialen Einrichtungen oder im sportlichen Bereich aktiv ist, kann sich 2026 über höhere steuerfreie Pauschalen freuen. Die Übungsleiterpauschale steigt von 3.000 Euro auf 3.300 Euro jährlich. Sie gilt etwa für nebenberufliche Tätigkeiten als Trainer, Ausbilder, Erzieher oder Pfleger im Auftrag gemeinnütziger Organisationen.
Die allgemeine Ehrenamtspauschale wird von 840 Euro auf 960 Euro pro Jahr angehoben. Sie kann für andere ehrenamtliche Tätigkeiten genutzt werden, beispielsweise als Vereinsvorstand, Platzwart oder im Gerätewart. Beide Pauschalen sind ein zusätzlicher Anreiz für gesellschaftliches Engagement und werden steuer- und beitragsfrei gewährt, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.
Elektrische Firmenwagen: Bruttolistenpreis bis 100.000 Euro
Für rein elektrisch betriebene Dienstwagen wird die Preisgrenze für die begünstigte Versteuerung des geldwerten Vorteils deutlich angehoben. Statt bisher 70.000 Euro gilt 2026 ein Bruttolistenpreis bis 100.000 Euro. Bis zu dieser Grenze wird der private Nutzungswert nicht mit 1 Prozent, sondern lediglich mit 0,25 Prozent des Listenpreises pro Monat angesetzt.
In der Praxis kommen damit auch höherwertige Elektromodelle in den Genuss der reduzierten Bemessung. Wer mit dem Arbeitgeber über ein Dienstfahrzeug verhandelt, sollte die geänderte Schwelle bei der Auswahl berücksichtigen.
Gastronomie: dauerhaft 7 Prozent auf Speisen
Eine Änderung, die sich für Verbraucher in der Restaurantrechnung niederschlagen kann, betrifft die Umsatzsteuer in der Gastronomie. Auf Speisen in Restaurants gilt nun dauerhaft der ermäßigte Satz von 7 Prozent (zuvor 19 Prozent). Für Getränke bleibt es beim regulären Steuersatz von 19 Prozent.
Ob und in welchem Umfang die Entlastung an die Gäste weitergegeben wird, hängt von der Preisgestaltung der einzelnen Betriebe ab. Auf der Rechnung lassen sich die beiden Steuersätze für Speisen und Getränke in der Regel getrennt nachvollziehen.
Wichtige Fristen 2026
Wer seine Steuererklärung 2025 selbst anfertigt, hat bis zum 31. Juli 2026 Zeit, sie beim Finanzamt einzureichen. Wer die Erklärung über einen Steuerberater oder eine Lohnsteuerhilfe einreicht, profitiert von der verlängerten Frist bis zum 1. März 2027. Für die Erklärung 2026, also das jetzt laufende Steuerjahr, verschieben sich diese Daten entsprechend in das Folgejahr.
Bereits jetzt lohnt es sich, Belege und Nachweise systematisch zu sammeln, insbesondere Fahrtenbücher, Spendenquittungen, Belege über haushaltsnahe Dienstleistungen sowie Nachweise über Sonderausgaben.
Was Verbraucher jetzt prüfen können
Viele der genannten Änderungen wirken automatisch über die Lohnabrechnung oder die Steuerveranlagung. Ein paar Punkte lassen sich aber aktiv anpassen:
- Die Lohnsteuerklasse daraufhin prüfen, ob sie zur aktuellen Lebenssituation passt.
- Bei einem Wohnortwechsel oder neuem Arbeitsweg die einfache Entfernung dokumentieren.
- Den Kinderfreibetrag beziehungsweise das Kindergeld bei Familienzuwachs zeitnah beantragen.
- Bei ehrenamtlicher Tätigkeit die Aufwandsentschädigung mit dem Verein sauber dokumentieren.
- Bei einem geplanten elektrischen Dienstwagen die neue Preisgrenze von 100.000 Euro Bruttolistenpreis mit dem Arbeitgeber besprechen.
Für die individuelle Situation gilt: Verbindliche Auskünfte gibt es beim zuständigen Finanzamt, bei einem Steuerberater oder bei einer Lohnsteuerhilfe.
Häufige Fragen
Ab wann gelten die neuen Steuerregeln 2026?
Die meisten Änderungen, darunter der höhere Grundfreibetrag, die neue Pendlerpauschale und das höhere Kindergeld, gelten seit dem 1. Januar 2026. Einige Details werden über die Lohnabrechnung oder mit der Steuererklärung berücksichtigt.
Profitiere ich auch von der neuen Pendlerpauschale, wenn ich nur fünf Kilometer zur Arbeit fahre?
Ja. Der einheitliche Satz von 0,38 Euro gilt ab dem ersten Kilometer der einfachen Strecke. Gerade Beschäftigte mit kurzen Wegen profitieren vergleichsweise stark, weil sie bisher nur 0,30 Euro pro Kilometer ansetzen konnten.
Bekomme ich das höhere Kindergeld automatisch?
Wer bereits Kindergeld bezieht, erhält die Erhöhung automatisch über die Familienkasse. Ein erneuter Antrag ist dafür nicht erforderlich. Beim Kinderfreibetrag erfolgt die Berücksichtigung über die jährliche Einkommensteuerveranlagung.
Wo finde ich verbindliche Auskünfte zu meinem persönlichen Steuerfall?
Verbindliche Auskünfte zum Einzelfall erteilen das zuständige Finanzamt, ein eingetragener Steuerberater oder eine anerkannte Lohnsteuerhilfe. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung.
Offizielle Quellen
- Bundesfinanzministerium · Die wichtigsten steuerlichen Änderungen 2026 bundesfinanzministerium.de
- Bundesfinanzministerium · BMF-Monatsbericht Februar 2026 — Steuerliche Änderungen bundesfinanzministerium.de/Monatsberichte
- Bundesregierung · Mehr Netto vom Brutto 2026 bundesregierung.de
- Bundesregierung · Gesetzliche Neuregelungen Januar 2026 bundesregierung.de/Neuregelungen
- BMAS · Sozialversicherungs-Rechengrößen 2026 bmas.de